MODUL 8. Ganzkörperstatus

Einführung

AllgemeinLernzieleVorgehenVideo

Warum Erhebung eines Ganzkörperstatus?

Die Erhebung des Ganzkörperstatus beinhaltet eine orientierende Untersuchung aller Organsysteme, wie sie beispielsweise bei der Erstaufnahme von Patient*innen im Krankenhaus oder der Erstvorstellung in einer Praxis durchgeführt wird. Der Ablauf der Untersuchung orientiert sich im klinischen Kontext in einem höheren Maße an der Symptomatik, mit welcher die Person vorstellig wird und kann je nach Fachbereich und persönlicher Erfahrung individuell unterschiedlich sein. Der hier gezeigte Untersuchungsablauf spiegelt demnach nur eine von mehreren Möglichkeiten wider.
Es ist jedoch in jedem Fall wichtig ein festes Schema zu verfolgen, um im Ernstfall nichts zu übersehen oder zu vergessen. In diesem Beispiel erfolgt der Untersuchungsgang vom Kopf zu den Füßen. Alle hier gezeigten Untersuchungen werden in den Untersuchungsvideos der einzelnen Module auf dieser Website detaillierter erklärt. Hier soll vor allem der beispielhafte Untersuchungsablauf im Mittelpunkt stehen.
Sie sollten während der gesamten Untersuchung Ihren*Ihre Patient*in inspizieren und auf Auffälligkeiten wie Hautveränderungen achten. Dies wird hier nicht bei jeder Untersuchung gesondert erwähnt.

Autor*innen: Irmgard Streitlein-Böhme, Klaus Böhme, Marit Stenzel

Klinik: Die Studierenden lernen bis zum 1. Semester des 2. Studienabschnitts:

– eine orientierende Ganzkörperstatusuntersuchung durchzuführen.
– den Umgang mit Hilfsmitteln wie Mundspatel, Otoskop, Stethoskop.
– die erhobenen Befunde unter Verwendung des Statusbogens zu dokumentieren.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Ablauf2.png

– Sorgen Sie für eine ruhige und vertrauensvolle Atmosphäre.
– Begrüßen Sie den*die Patient*in und stellen Sie sich immer zunächst mit Namen und Funktion vor.
– Schützen Sie die Privatsphäre des*der Patient*in so gut wie möglich.
– Überlegen Sie sich vor der Untersuchung eine sinnvolle Struktur (z.B. nach IPPAF) und legen Sie sich alle benötigten Hilfsmittel bereit.
– Planen Sie den Untersuchungsablauf so, dass die untersuchte Person so selten wie möglich die Position wechseln muss.
– Führen Sie die Untersuchung an der für den jeweiligen Untersuchungsschritt ausreichend entkleideten Körperpartie durch und achten Sie darauf, dass sich der*die Patient*in in der Situation wohl fühlt.
– Kündigen Sie jeden Untersuchungsschritt vorher an und bitten Sie den*die Patient*in, sich bei Schmerzen oder Unbehagen zu melden.
– Beginnen Sie die Untersuchung bei vorliegenden Schmerzen immer im schmerzfreien Areal.
– Wenn es Auffälligkeiten gibt, unterbrechen Sie den gewohnten Untersuchungsgang und machen Sie weiterführende Untersuchungen.
– Desinfizieren Sie vor und nach jedem Patientenkontakt Ihre Hände und UntersDesinfizieren Sie vor und nach jedem Kontakt zu Patient*innen Ihre Hände und Untersuchungsmaterialien.


Die gesamte Untersuchung finden Sie als Beschreibung und als Video unter dem Reiter “Untersuchungsvideo“.
So können Sie direkt in die Ausführung der Techniken einsteigen, sehen, wie Sie Ihre Hände und Instrumente einsetzen und sich diese in Ruhe wiederholt ansehen.

Video: Vollständige Untersuchung

Untersuchungsgang

KopfHalsExtremitätenThoraxAbdomenWirbelsäule

Erster Eindruck
Richten Sie Ihr Augenmerk auf:
– Kopfhaltung
– Kopfform
– Motorik und Mimik (z. B. hängender Mundwinkel bei Fazialisparese oder Hypomimie bei M. Parkinson)

Beurteilen Sie:
– Gesicht: Symmetrie, Haut, Ödeme, Tumore, Kopfhaut und Haare
Druckschmerz über Nervenaustrittspunkten des N. trigeminus: symptomatische (z. B. Sinusitis, Meningitis, intrakranieller Druck) oder idiopathische Trigeminusneuralgie?
– Klopfschmerz über Nebenhöhlen (Sinus frontalis, Sinus maxillaris): z.B. bei Sinusitis

Inspektion der Augenlider
Schwellung, Vorwölbung, Stellungsanomalie (z. B. Lidödem, Ptosis oder Lagophthalmus)
Inspektion der Skleren, Konjunktiven und der Korneae
Farbveränderung, Rötung, Schwellung, Verletzung, Korneatrübung

Inspektion Pupillen
Form, Symmetrie (isokor/anisokor), Weite (Miosis/Mydriasis)

Pupillenreaktion
direkte und konsensuelle Lichtreaktion
→ N. opticus (II), N. oculomotorius (III)

Prüfung der Augenmuskulatur
Fixieren Sie das Kinn mit Ihrer freien Hand (verhindert die Kopfbewegung) und testen Sie die Folgebewegungen der Augen in jede Richtung. Achten Sie auf Abweichungen, Nystagmus und Doppelbilder
→ N. oculomotorius (III), N. trochlearis (IV), N. abducens (VI)
Konvergenztest
Lassen Sie den*die Patient*in einen Gegenstand (z. B. einen Stift) fixieren. Führen Sie den Gegenstand langsam näher in Richtung Nasenwurzel heran. Achten Sie auf Konvergenz der Bulbi und auf Miosis.

Inspektion Mundhöhle
– Mundschleimhut, Mundboden, Rachen, Zahnfleisch: Entzündungen, Aphten, Beläge
– Tonsillen: Vergrößerung, Rötungen oder Beläge
– Zungenseite und -unterseite: Belag, gestautes Venengeflecht (z.B. bei Herzinsuffizienz)
– Zahnstatus: Karies, saniertes Gebiss, Zahnprothesen
– Ausführungsgänge der Speicheldrüsen

Inspektion Uvula bei Phonation
Lassen Sie den*die Patient*in „Ah“ sagen. Betrachten Sie Gaumen und Uvula.
→ physiologisch: zentrierte Uvula (schwingt zu beiden Seiten) und symmetrischer weicher Gaumen
→ pathologisch, Läsion N. glossopharyngeus (IX): die Uvula weicht zur gesunden Seite ab und der weiche Gaumen ist auf der Läsionsseite abgesunken (= Kulissenphänomen)

Beweglichkeit der Zunge
Lassen Sie den*die Patient*in die Zunge herausstrecken und zu beiden Seiten bewegen.
→ pathologisch: bei einseitiger Hypoglossusparese (N. XII) weicht die Zunge zur Läsionsseite ab.

Achten Sie bei der Inspektion auf:
– Symmetrie, Konturen, Narben
– Stellung der Halswirbelsäule
– Muskeltonus
– Stauung der Vv. jugulares, Sichtbare Pulsation der Aa. carotides
– Lymphknotenschwellungen, Speicheldrüsenschwellungen
– Schilddrüse

Lymphknoten
Reihenfolge: okzipital, nuchal, retroaurikulär, präaurikulär, submandibulär, submental, zervikal (vor und hinter M. sternocleidomastoideus), supraclaviculär, infraclaviculär
→ Größe, Form, Konsistenz (weich, verhärtet), Abgrenzung gegenüber der Umgebung
DD entzündliche vs. maligne Lymphknoten: Größe, Druckschmerzhaftigkeit, Verschieblichkeit

Schilddrüse
Inspektion: Vergrößerung oder Asymmetrie bei normaler Kopfhaltung und in Reklination?
Palpation: Palpieren Sie die Schilddrüse mit dem zweiten bis vierten Finger beider Hände von dorsal auf Höhe des Schild-/Ringknorpels. Ihre Daumen ruhen im Nacken des*der Patient*in. Bitten Sie den*die Patient*in zu schlucken.
→ Größe, Konsistenz (weich, hart, knotig), Druckschmerzhaftigkeit, Verschieblichkeit gegen die Umgebung und beim Schlucken (während des Schluckaktes verschiebt sich die Schilddrüse nach kranial, bei Malignität kann dies eingeschränkt sein).

Beschreibung von Tastbefunden anhand von
– Größe
– Form
– Lokalisation
– Konsistenz
– Verschieblichkeit
– Druckdolenz

HWS
Passiv und aktiv testen: Inklination, Reklination, Rotation und Seitneigung
→ Eingeschränkt, z. B. bei Bandscheibenvorfall, Meningitis, rheumatische Erkrankungen
→ Meningismus (Nackensteifigkeit) bei Reizung der Hirnhäute → z. B. bei Meningitis

Obere Extremität

Inspektion
Inspizieren Sie Schultern und proximale Oberarme hinsichtlich Muskelatrophien, Schwellungen und Fehlstellungen, z.B. bei Schulterluxation

Orientierendes Bewegungsausmaß
Zur orientierenden Beurteilung der aktiven Beweglichkeit führt der*die Patient*in den Schürzengriff (Innenrotation, Retroversion, Adduktion) sowie den Nackengriff (Außenrotation, Anteversion, Abduktion) aus.

Bewegungsausmaß Schulter
Anteversion/Retroversion 150-170° / 0° / 40°
Abduktion/Adduktion 180° / 0° / 20-40°
Bei anliegendem Oberarm und 90° Flexion im Ellenbogengelenk: Außenrotation/Innenrotation 40-60° / 0° / 95°
Bei um 90° abduziertem Oberarm und 90° Flexion im Ellenbogengelenk: Außenrotation/Innenrotation 70° / 0° / 70°

Bewegungsausmaß Ellbogengelenk
Flexion/Extension 130-150° / 0° / 10°
Bei anliegendem Oberarm und 90° Flexion im Ellenbogengelenk: Pro- und Supination je 80-90°

Untere Extremität

Inspektion
Betrachten Sie zunächst das Stand- und Gangbild des*der Patient*in und inspizieren Sie die unteren Extremitäten danach an dem*der liegenden Patient*in.
Inspizieren Sie Hüfte, Oberschenkel und Unterschenkel hinsichtlich Muskelatrophien, Schwellungen und Fehlstellungen sowie auf Thrombosezeichen, Ödeme und Entzündungszeichen.

Hüftgelenk
Überprüfen Sie die aktive und passive Beweglichkeit im Hüftgelenk in Rückenlage. Die Beurteilung erfolgt ausgehend von der Neutral-Null-Stellung. Bei Abduktion und Adduktion bleibt das Knie gestreckt, bei Außenrotation und Innenrotation werden Hüfte und Knie um 90° gebeugt.
Tipp: Fixieren Sie das Becken bei der Untersuchung, um ein Mitbewegen der LWS zu vermeiden.
Beurteilen Sie:
Einschränkungen des Bewegungsausmaßes? Schmerzen bei Bewegung?
Krepitationen oder Schnappphänomen im Gelenk (= Zurückschnellen der kommunizierenden Gelenkfläche)?
Stauchungsschmerz?

Bewegungsausmaß Hüftgelenk
Flexion/Extension: 130-140° / 0° /10-20°
Abduktion/Adduktion: 40-50° / 0° / 20-30°
Bei 90° Flexion im Hüft- und Kniegelenk: Außenrotation/Innenrotation: 40-50° / 0° /30-40°

Kniegelenk
Prüfen Sie die aktive und passive Beweglichkeit des Kniegelenkes: Einschränkungen des Bewegungsausmaßes, schmerzhafte Einschränkung der Bewegungen

Bewegungsausmaß Kniegelenk
Flexion/Extension 120-150° / 0° / 5-10°
Außenrotation/Innenrotation 25-30° / 0° / 10° (Unterschenkel)

Thorax

Herzauskultation
Tasten Sie während der Auskultation den Radialis- oder Karotispuls, um den Rhythmus zu bestimmen und den ersten Herzton zu identifizieren (Pulswelle kurz danach tastbar).

ZZiel Ihrer Auskultation sollte sein:
– Zuordnung des 1. (= Wandspannung bei Ventrikelkontraktion) und 2. Herztones (= Schluss der Aorten- und Pulmonalklappe) durch gleichzeitige Palpation des Radialis-/Karotispulses
– Bestimmung der Lautstärke des 1. und 2. Herztones
– Gespaltener Herzton? (physiologisch bei Inspiration; pathologisch, wenn fixiert)
– Extratöne in der Systole oder Diastole?

Bestimmung von Herzfrequenz und Rhythmus
Tachykardie (>100/min) oder Bradykardie (<60/min)
– orliegen von Rhythmusstörungen

Lungenperkussion
Perkutieren Sie im direkten Seitenvergleich von apikal nach basal unter Auslassung der Schulterblätter.

Bestimmung der Atemverschieblichkeit
Suchen Sie mit waagerecht aufliegendem Plessimeterfinger die Lungengrenzen (= Übergang von sonorem zu gedämpftem Klopfschall) im Seitenvergleich auf. Perkutieren Sie auf jeder Seite in gehaltener maximaler Exspirations- und Inspirationslage.
→ normale Atemverschieblichkeit ca. 5 bis 6 cm bzw. 2-3 Querfinger

Lungenauskultation
Bitten Sie den*die Patient*in, durch den offenen Mund tief ein- und auszuatmen. Achten Sie auf notwendige Pausen des tiefen Ein- und Ausatmens, um eine Hyperventilation zu verhindern.
Auskultieren Sie im Seitenvergleich an jedem Punkt einen ganzen Atemzyklus in Abständen von ca. 4 -5 cm. Auskultieren Sie dorsal, lateral und ventral (rechter Mittellappen).
→ Gibt es Atemgeräusche? Verändern sie sich beim Husten?
Der rechte Mittellappen (ML, s. Bild) ist der Auskultation nur von ventral zugänglich.

Erheben Sie den Pulsstatus der
– Aorta abdominalis
– A. femoralis
– A. poplitea
– A. dorsalis pedis
– A. tibialis posterior

Abdomen

Inspektion
– Wie ist die Kontur des Abdomens (z. B. flach, eingefallen, gewölbt, gebläht)?
– Gibt es Asymmetrien, Narben, dilatierte Venen, Striae, Exantheme?
– Sehen Sie Peristaltik oder die Pulsation der Aorta durch die Bauchdecke?
– Gibt es Vorwölbungen?
– Wie sieht der Bauchnabel aus?

Auskultation
Auskultieren Sie alle vier Quadranten des Abdomens
– Sind die Darmgeräusche regelrecht, leise oder laut, vermindert oder gesteigert?
– Sind sie gleichmäßig verteilt?

Drücken Sie das Stethoskop für die Auskultation der Aorta abdominalis tief ein. Die Aorta befindet sich oberhalb des Bauchnabels in der Median- oder Paramedianlinie links.
– Hören Sie Strömungsgeräusche?
Bei einem Normalbefund hören Sie keine Stenose -oder Strömungsgeräusche. Ggf. hören Sie die Fortleitung der normalen Herzaktion.

Perkussion
Führen Sie eine vergleichende Perkussion der Quadranten des Abdomens durch. Ebenso können Sie die Perkussion entlang des Kolonrahmens und über dem Dünndarm durchführen.
Treten Sie mit folgenden Fragen an die Perkussion heran:
– Charakter und Verteilung des Klopfschalls?
– Schmerzen? Hustenschmerz?
– Hinweis auf peritonitische Reizung? z.B. bei Schmerz durch Bauchdeckenvibration bei Perkussion?
– Hinweis auf größere freie Flüssigkeitsmengen im Bauchraum z.B. Flankendämpfung bei Aszites?

Palpation
Beginnen Sie Ihre Palpation in einer nicht-schmerzhaften Region. Verwenden Sie eine Hand als flach dem Abdomen aufliegende Tasthand. Die darüber liegende Führungshand übt Druck aus. Palpieren Sie vorsichtig zuerst oberflächlich (dies kann auch einhändig durchgeführt werden) und dann tief den Bauchraum. Achten Sie stets auf die Mimik des*der Patient*in, um zu sehen, ob die Person Schmerzen empfindet.
Druckschmerz: lokalisiert oder diffus?
Abwehrspannung: Anspannung der Bauchdecke bei Berührung
Organvergrößerungen: Palpierte Organe sind über die Norm hinaus vergrößert
Resistenzen: z. B. Tumor: Gewebe palpieren sich nicht so weich wie gewohnt oder sind nicht verschieblich
Pulsationen: z.B. Aneurysma
Bruchlücken: durch Erhöhen des intrabdominalen Druckes (Husten, Pressen) können Sie eine weitere Vorwölbung des Bruchsackes provozieren

Untersuchung der Leber
Die Leber befindet sich im rechten Oberbauch. Der Leberrand ragt bei Gesunden gerade unter dem rechten Rippenbogenrand hervor oder ist nicht tastbar.
Palpation der Leber: Beginnen Sie die Leberuntersuchung im rechten Unterbauch, um eine stark vergrößerte Leber nicht zu übersehen. Ist die Leber nicht so stark vergrößert, lassen Sie den*die Patient*in einatmen, dann ausatmen. Während der Exspiration kommen Ihre Hände unter dem rechten Rippenbogen zum Liegen. Bei der folgenden Inspiration gleitet der Leberrand nach kaudal unter Ihren Fingern hindurch.
Achtung: Die Leber ist druckempfindlich!
– Ein normaler Leberrand ist weich, scharf begrenzt, regelmäßig
– Können Sie am Leberunterrand Anteile der Gallenblase tasten?

Untersuchung der Milz
Die Milz liegt im linken Oberbauch und lässt sich bei Gesunden nicht tasten.
– Fassen Sie mit einer Hand unter die Flanke des*der Patient*in und mobilisieren Sie die Milz nach ventral.
– Mit der anderen Hand palpieren Sie die Milz von vorn. Wie bei der Leberpalpation nähert sich die Milz der untersuchenden Hand bei der Inspiration.
Ablauf: Inspiration, dann Exspiration mit Positionierung der Hände unter dem Rippenbogen, erneut Inspiration und dabei Palpation

Tipp: Beginnen Sie die Untersuchung der Milz im linken Unterbauch, um erhebliche Organvergrößerungen nicht zu übersehen.

Palpieren Sie vorsichtig! Gefahr der Milzruptur bei Splenomegalie!

Untersuchung der Nieren
Die Nieren (BWK 12 – LWK 3) lassen sich in der Regel nicht palpieren. Schmerzhaftigkeit (z. B. wegen einer Entzündung) wird nach der Anamnese am besten durch Beklopfen (Perkussion) untersucht.

Untersuchen Sie (falls möglich) im Sitzen die Nierenlager auf Klopfschmerzen. Zur Untersuchung im Sitzen perkutieren Sie mit Ihrer Faust über dem Nierenlager (Höhe Th12 – L3). Wenn der*die Patient*in bereits vor der Untersuchung akute Schmerzen angibt, legen Sie evtl. die andere Hand auf und perkutieren anschließend vorsichtig.

Im Liegen können Sie die Nierenlager auf einen Erschütterungsschmerz hin untersuchen.

Inspektion
Bitten Sie den*die Patient*in, die Schuhe auszuziehen, sich entspannt hinzustellen, indem beide Beine gleichmäßig belastet sind und die Füße schulterbreit nebeneinander stehen.
– Beurteilen Sie den Stand der Schultern und des Beckens in Bezug auf die Horizontale
– Beurteilen Sie das Krümmungsverhalten der Wirbelsäulenabschnitte
— Beurteilen Sie den Stand der Schultern und des Beckens in Bezug auf die Horizontale.
– Beurteilen Sie das Krümmungsverhalten der Wirbelsäulenabschnitte von dorsal und lateral.
→ Erkennen Sie eine verstärkte Kyphose oder Lordose?
→ Besteht eine Fehlhaltung oder -stellung (z. B. Skoliose)?
→ Achten Sie auf Hautveränderungen, Narben, Entzündungs- und Verletzungszeichen.

Palpation und Perkussion
Palpieren Sie die Dornfortsätze von kranial nach kaudal.
– Besteht ein Druckschmerz?
Palpieren Sie die paravertebrale Muskulatur (pvMm) beidseits der Mittellinie.
– Achten Sie auf Druckschmerz, Myogelosen und Atrophien
Klopfen Sie die Wirbelsäule kräftig von kranial nach kaudal ab (obere HWS bis Os sacrum!).
– Besteht ein Klopfschmerz?

Beweglichkeit
Prüfen Sie die Beweglichkeit der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte.
HWS: s. Abschnitt Hals
LWS: aktive Beweglichkeit: Flexion, Extension, Rotation, Lateralflexion (Seitneigung)

Tipp: Um die isolierte Beweglichkeit der LWS zu testen, fixieren Sie die Hüfte mit Ihren Händen. So vermeiden Sie eine Mitbewegung im Hüftgelenk.

Dokumentation

KopfHalsExtremitätenHerz und LungeAbdomenWirbelsäule

Normalbefund

„Augen fokussieren symmetrisch. Bindehaut feucht und reizlos. Skleren porzellanweiß und eben. Hornhaut glatt und spiegelnd. Pupillen mittelweit, rund und isokor. Prompte Pupillenreaktion auf Licht sowie Naheinstellung. Augenfolgebewegungen koordiniert ohne pathologischen Nystagmus. Haut unauffällig. Kopfhaltung und Mimik normal. NAP (Nervenaustrittspunkte) indolent. Kein Klopfschmerz über den Nasennebenhöhlen. Gleichmäßiges Lippenrot, Mundschleimhaut feucht und rosig. Zahnstatus unauffällig, Speichel klar und dünnflüssig, Einmündung der Speicheldrüsen reizlos, Drüsen nicht druckdolent. Zunge hellrot, feucht und beweglich. Tonsillen reizlos. Uvula mittig, Gaumenbögen symmetrisch, auch unter Phonation. Kein auffälliger Foetor ex ore (= Mundgeruch).“

Normalbefund

„Hals symmetrisch, keine Narben. Keine Stauung der Vv. jugulares, keine sichtbare Pulsation der A. carotis. Schilddrüse nicht vergrößert. Speicheldrüsen indolent und weich. Lymphknoten nicht vergrößert palpabel; weiche, homogene Konsistenz sowie verschieblich; kein Druckschmerz. Schilddrüse nicht vergrößert tastbar, Konsistenz weich und homogen, schluckverschieblich nach kranial. Kein Stridor, keine Strömungsgeräusche. Kein Klopf- oder Druckschmerz über der HWS. Kein Druckschmerz, keine Verhärtungen der paravertebralen Muskulatur, keine Nackensteifigkeit.“

Normalbefund

„Schultergelenk: Schulterstand gerade, Konturen symmetrisch, kein Druckschmerz über AC-Gelenk, Proc. coracoideus, Clavicula und Sternoclaviculargelenk sowie über Tuberculum majus und minus und Sulcus intertubercularis. Nacken- und Schürzengriff möglich, Funktion der Rotatorenmanschette intakt.
Ellbogengelenk: Valgusstellung zwischen 5° und 10°, kein Druckschmerz, keine Schwellungen, Gelenk frei beweglich, leichte Hyperextension (v.a. bei Frauen physiologisch).
Hüfte: Beckengeradstand, Beckenkamm, Trochanter major und Leiste schmerzlos tastbar, Hüfte frei beweglich.
Knie: frei beweglich, keine Achsenabweichungen, kein Hinweis auf Trauma oder entzündlichen Prozess.“

Physiologisches Bewegungsausmaß

Schulter
Anteversion/Retroversion 150-170° / 0° / 40°
Abduktion/Adduktion 180° / 0°/ 20-40°
Außenrotation/Innenrotation 40-60° / 0° / 95

Ellbogengelenk
Flexion/Extension 130-150° / 0° / 10°
Pro- und Supination je 80-90° → bei anliegendem Oberarm und 90° Flexion im Ellenbogengelenk

Hüftgelenk
Flexion/Extension 130-140° / 0° / 10-20°
Abduktion/Adduktion 40-50° / 0° / 20-30°
Außenrotation/Innenrotation 40-50° / 0° /30-40° → bei 90° Flexion im Hüft- und Kniegelenk

Kniegelenk
Flexion/Extension 120-150° / 0° / 5-10°
Außenrotation/Innenrotation 25-30° / 0° / 10° → Unterschenkel

Normalbefund

„Hautfarbe normal, Schleimhäute rosig und feucht.
Keine Herzinsuffizienzzeichen: keine Ödeme, keine gestauten Halsvenen, keine gestauten Zungenvenen. Herztöne rein und rhythmisch, normofrequent bei einer Herzfrequenz von (60-100/min), keine pathologischen Geräusche, RR (X/X mmHg).
Symmetrisch geformter Thorax, keine Narben.
Normale Atemfrequenz (10-25/min), symmetrische Atemexkursion, keine skelettalen Deformierungen, kein Hinweis auf Hypoxie. Symmetrische Atemexkursion mit normalem Ausmaß. Sonorer, seitengleicher Klopfschall über der gesamten Lunge. Lungengrenzen beidseits 5-6 cm atemverschieblich.
Hautoberfläche intakt, seitengleich warme Extremitäten, Palpation schmerzfrei, Venen prallelastisch, Rekapillarisierungszeit <2sec, periphere Pulse seitengleich gut tastbar, keine Strömungsgeräusche auskultierbar.“

Normalbefund

„Unauffälliges Abdomen. Keine Entzündungszeichen, keine Narben, keine Striae. Vereinzelt Muttermale. Normales Hautkolorit, normale, spärliche Behaarung. Rege Darmgeräusche in allen Quadranten. Keine Strömungsgeräusche über der Aorta. Abdomen perkutorisch unauffällig. Tympanitischer Klopfschall über der Magenblase sowie entlang des oberen Kolonrahmens. Leber nicht vergrößert palpabel. Längsdurchmesser kratzauskultatorisch 8 cm in MCL (Medioclavicularlinie). Kein Peritonismus, keine Angabe von Schmerzen während der Palpation. Milz nicht palpabel. Nieren nicht palpabel. Kein Nierenklopfschmerz/Flankenklopfschmerz/Rüttelschmerz auf Höhe der Nierenlager.“

Normalbefund

„C7 und Rima ani in einer Linie und lotrecht, Schulter- und Beckenlinien parallel zueinander und zum Boden, Taillendreiecke symmetrisch, physiologische Kyphose und Lordose, symmetrische Rippenbögen auch beim Vorbeugen. Kein Klopf – oder Druckschmerz über der WS, kein Druckschmerz und keine Verhärtungen bei Palpation der paravertebralen Muskulatur. WS allseits frei beweglich, kein Meningismus.“

Physiologisches Bewegungsausmaß

HWS
Inklination/Reklination        45° / 0° / 45°
Lateralflexion                        45° / 0° / 45°
Rotation                                 60° / 0° / 60°

BWS/LWS
Flexion/Extension      120° / 0° / 30°
Lateralflexion               40° / 0° / 40°
Rotation                        45° / 0° / 45°

Zusammenfassung: Video der vollständigen Untersuchung

Video: Vollständige Untersuchung