MODUL 4.3 Gefässe

Einführung

AllgemeinLernzieleMaterialienVorgehenDokumentation

Warum Untersuchung der Gefäße?

Die Untersuchung der Gefäße gibt Ihnen Aufschluss über die Blutversorgung verschiedener Körperregionen, insbesondere der Extremitäten. Lokale oder systemische Erkankungen der Gefäße  können so erkannt werden. Auch Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems (z.B. Herzrhythmusstörungen) können auffallen.

Varianten und Fehler: Die hier beschriebenen und gezeigten Untersuchungstechniken zeigen häufig nur eine mögliche Variante zum Vorgehen. Abweichende Techniken können ebenfalls zielführend sein. Etwaige Fehler bitten wir Sie gerne an uns rückzumelden.

Prüfungen: Auf die hier gezeigten Techniken dürfen Sie sich im Zweifelsfall bei der Famulaturreifeprüfung berufen.

Autoren: Klaus Böhme, Irmgard Streitlein-Böhme

Die Studierenden lernen bis zum 1. Semester des2. Studienabschnitts:

– die Gefäße der oberen und unteren Extremitäten orientierend zu untersuchen.

– die Dokumentation der erhobenen Befunde in einfacher Form unter Verwendung des Statusbogens.

Stetoskop
Statusbogen

– Sorgen Sie für eine ruhige und vertrauensvolle Umgebung.

– Bitten Sie den Patienten sich soweit frei zu machen, dass Sie alle Pulsstationen untersuchen können.

– Gehen Sie bei der Erhebung des peripheren Pulsstatus nach einem festen Schema vor: Palpieren Sie ausgewählte oberflächlich liegende Gefäße von kranial nach kaudal.

– Tasten Sie die Pulse mit dem Zeige- und Mittelfinger.

– Beurteilen Sie die Pulse im Seitenvergleich. Achten Sie auf Frequenz, Rhythmus, Härte, Form und Amplitude der Pulswelle.

Folgende Beispiele unterstützen Sie bei der systematischen Dokumentation Ihrer Befunde.

Normalbefund:

„Haut rosig, Oberfläche intakt, seitengleich warme Extremitäten, Palpation schmerzfrei, Venen prallelastisch, Rekapillarisierungszeit <2sec, periphere Pulse seitengleich gut tastbar, keine Strömungsgeräusche auskultierbar“

Pathologischer Befund

Inspektion

-„Haut blass / zyanotisch / gerötet…“ → Hinweis auf eine Durchblutungsstörung

Palpation

-„Überwärmte / kalte Haut / Temperaturdifferenz im Seitenvergleich“ → Hinweis auf eine Durchblutungsstörung

-„Druckdolente / verhärtete / erweiterte Venen“ → Hinweis auf eine Thrombose / Thrombophlebitis

-„Rekapillarisierungszeit auf x sec verlängert.“ → Hinweis auf eine Mikrozirkulationsstörung

-„Puls über der Arteria x links / rechts nicht tastbar.“

Auskultation

-„Strömungs – / Stenosegeräusch über der Arteria x links / rechts auskultierbar.“

Video: Vollständige Untersuchung

A. carotis

PalpationAuskultation

Achten Sie zunächst auf Gefäßfüllung und sichtbare Pulsationen. Tasten Sie den Puls der A. carotis mit Ihrem Mittel- und Zeigefinger im Trigonum caroticum. Besteht ein fühlbares Schwirren?

Auskultieren Sie die Aa. carotides ggf. mit dem Trichter des Stethoskops beidseits bei Atemstopp: Hören Sie pathologische Gefäßgeräusche oder weitergeleitete Herzgeräusche?

A. radialis

Palpation

Tasten Sie die A. radialis an der radialen Beugeseite des Handgelenks.

Aorta abdominalis

PalpationAuskultation

Palpieren Sie die Aorta abdominalis oberhalb des Bauchnabels in der Median- oder Paramendianlinie links. Können Sie eine Pulsation tasten?

Drücken Sie das Stethoskop für die Auskultation der Aorta abdominalis tief ein. Die Aorta befindet sich oberhalb des Bauchnabels in der Median- oder Paramedianlinie links. Hören Sie Strömungsgeräusche?

A. femoralis

PalpationAuskultation

Tasten Sie die A. femoralis in der Leistenregion. Sie können die A. femoralis von unten her aufsuchen (s. Bild) oder von oben her, indem Sie den Patienten bitten, die Unterhose etwas herabzuziehen.

Die A. femoralis sollten Sie auskultieren. Achten Sie auf Strömungsgeräusche.

A. poplitea

Palpation

Tasten Sie die A. poplitea mit beiden Händen in der Kniekehle des Patienten. Sie ist mitunter schwierig aufzufinden. Variieren Sie daher Druck und Position Ihrer Palpation.

A. dorsalis pedis und A. tibialis posterior

Palpation A. dorsalis pedisPalpation A. tibialis posterior

Tasten Sie die A. dorsalis pedis auf dem Fußrücken lateral der Sehne des M. extensor hallucis longus. Achten Sie auf Farbe, Temperatur und ggf. Wunden an den Füßen.

Tasten Sie die A. tibialis posterior hinter dem Innenknöchel. Achten Sie auf Farbe, Temperatur und ggf. Wunden an den Füßen.

Venen

InspektionPalpation

Achten Sie bei der Inspektion der Extremitäten auf Störungen des venösen Systems. Sie finden ggf.:

– Ödeme [1], Corona phlebectatica paraplantaris [2], Pigmentveränderungen, Ulcera [5] bei chronisch-venöser Insuffizienz
– einen geröteten Venenstrang bei Thrombophlebitis
– eine Schwellung der Extremität und eine zyanotische Glanzhaut [4] bei einer tiefen Beinvenenthrombose
– geschlängelte, dilatierte Beinvenen [3] am stehenden Patienten bei Varizen

Befunde – Venen: [1] Ödeme, [2] Corona phlebectatica paraplantaris, [3] Varizen, [4] Rechtsseitige Thrombose, [5] Ulcus bei chronisch venöser Insuffizienz

Bild-Quellen

Quellen / Creative Commons: [1] Ödeme: James Heilman, MD (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons, [2] Corona phlebectatica paraplantaris (perimalleoläre Kölbchenvenen): Hutschi (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons, [3] Varizen: By self (self) [Public domain], via Wikimedia Commons, [4] Rechtsseitige Thrombose: James Heilman, MD (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons, [5] Ulcus bei chronisch venöser Insuffizienz: Prof. Dr. med. Gerd Hoffmann ().Prof. Dr. med. Gerd Hoffmann at de.wikipedia [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], from Wikimedia Commons

Führen Sie eine Palpation der Extremitäten im Hinblick auf das venöse System durch. Sie finden ggf.:

– bei peripheren Ödemen eine bleibende Delle nach andauerndem Druck auf den Fußrücken, die Tibiavorderseite und hinter den Innenknöchel

– einen verhärteten, druckdolenten, überwärmten Venenstrang bei Thrombophlebitis

– einen Schmerz bei Wadenkompression (Meyer-Zeichen) oder Dorsalextension des Fußes (Homans-Zeichen), Druckschmerz an der Fußsohle  (Payr-Zeichen) bei tiefer Beinvenenthrombose

– tastbar verdickte oberflächliche Beinvenen am stehenden Patienten bei Varizen

Zusammenfassung: Video der vollständigen Untersuchung

Video: Vollständige Untersuchung